Leni erzählt

 

In diesem Buch lernt Eschelju das Mädchen Leni kennen. Seit dem Tod ihrer Oma wohnt Leni in einem alten, vom Blitz ge­spal­tenen Zirben­baum. Leni ist mit dem Mond­hasen be­freundet und weiß auch einiges vom wunder­baren Land En­fan­te­sar und seinen zauber­haften Wesen zu berichten.

Kapitelübersicht

  • Was bisher geschah
  • Eschelju und seine Freunde stellen sich vor
  • Ein besonderer Tag
  • Bei Professor Schmudsiglich
  • Eine seltsame Begegnung
  • Ein Gewitter zieht auf
  • Zu Besuch bei Leni
  • Die Entscheidung des Mondhasen
  • Leni und der Mondhase
  • Die Wächterbäume
  • Bei Doktor Mu Dsing
  • Eine wundersame Begegnung
  • Dienmut in Gefahr
  • Eine traurige Geschichte
  • Leni und Eschelju backen Buchteln
  • Die Sage von Enfantesar
  • Warum Leni in den alten Zirbenbaum zog
  • Aufbruch nach Enfantesar

Leseprobe

Hier findet Ihr das Kapitel "Ein besonderer Tag".

Ein besonderer Tag

 

Wenn man etwas Aufregendes vorhat, kann es schon sein, dass man in der Nacht davor nicht besonders gut schläft. Leni zu besuchen war zweifellos aufregend, sehr aufregend sogar, und so erwachten Eschelju und Dienmut bereits in der Morgendämmerung.

 

Eschelju gähnte und streckte sich. Dann sprang er vergnügt aus seiner Sasse und begann übermütig von einem Bein auf das andere zu hüpfen. Dabei rief er fröhlich: „Heute ist ein besonderer Tag, heute ist ein besonderer Tag!“

 

So viel gute Laune wirkte natürlich ansteckend auf Dienmut, das Taubenschwänzchen. Der kleine Schmetterling setzte sich auf den Blütenrand seiner Margaritenblume, stieß sich mit den Beinchen ab und begann, fröhliche Schwirrkreise rund um Eschelju zu ziehen.

 

„Beim Fliegenpilz, macht nicht so einen Lärm!“ rief eine näselnde Stimme aus dem Baumstamm daneben. Im selben Augenblick tauchte auch schon zwei schwarze Ohrenspitzen aus der Baumhöhle auf. Diese Ohren wurden lang und immer länger und gleich darauf war der ganze Kopf von Erpf zu sehen.

 

Da erweiterte Dienmut sofort ihre Schwirrkreise und flog, „Srrr!“ , dem Hasen um die Ohren. „Sei nicht böse“, sirrte sie, „heute ist doch ein besonderer Tag. Wir werden Leni besuchen!“

 

Nun kam auch Eschelju herbei und kraulte den Hasen hinter den Ohren. „Freu dich mit uns, lieber Erpf“, sagte er, „wir werden heute Leni kennenlernen und Neues vom Mondhasen erfahren. Vielleicht hat sie ja auch von meinen Eltern gehört und weiß etwas über das Land Enfantesar zu berichten.“

 

Da blinzelte der Hase mit seiner Nase und erwiderte: „Beim Fliegenpilz, du hast Recht, Eschelju, heute ist tatsächlich ein besonderer Tag.“ Dann grinste er von einem Hasenohr zum anderen und reimte:

„Muffelstund‘ ist ungesund.

Darum will ich fröhlich sein,

Und mich mit Euch von Herzen freu’n!“

 

Danach sprang er mit einem Satz aus dem Baumstamm und tollte mit Eschelju herum, während Dienmut die beiden gut gelaunt umschwirrte.

 

Natürlich macht so viel Herumtollerei auch tüchtig hungrig, und so frühstückten unsere Freunde danach ausgiebig.

 

Die Spatzenschwestern Willibalda, Piep und Matz freuten sich sehr, als sie bei ihrer Ankunft die Freunde bereits gesättigt und reisebereit vorfanden. Je zeitiger sie aufbrachen, desto früher würden sie ja wieder zu Hause sein. Auf eine geordnete Nachtruhe legten die Schwestern ja bekanntlich einen großen Wert.

 

Sie staunten sehr über Escheljus goldenen Anzug, piepsten begeistert und schlugen aufgeregt mit den Flügeln. Willibalda behauptete sogar, noch niemals zuvor ein so prächtiges Wesen gesehen zu haben. Wie gut, dass Eschelju nicht eitel war. Er hatte ja auch keinen Beitrag zu seiner hübschen Bekleidung geleistet, sondern verdankte sie einzig und allein der Kunstfertigkeit der Spinnenkönigin Aura.

 

Nachdem sich die Begeisterung der Spatzen wieder gelegt hatte, brachen sie auf, und Eschelju begann fröhlich vor sich hin zu pfeifen.

 

„Was ist denn das?“ fragte Willibalda, als sie das hörte und stürzte vor Staunen beinahe ab. „So etwas klingt manchmal in Escheljus Kopf“, erklärte Dienmut. „Das gefällt mir“, rief Willibalda begeistert, „du bist ja beinahe wie einer von uns!“, und Piep und Matz stimmten ein: „Das gefällt uns, du bist ja beinahe wie wir!“

 

Dann trällerten sie Escheljus Lied mit. Vögel haben nämlich naturgemäß ein ausgesprochen gutes Liedgedächtnis. Erpf, der zwar nicht singen konnte, aber es mochte, wenn andere sangen, sprach: „Das ist tatsächlich ein schönes Reiselied. Es macht leichtfüßig.“